01.10.19

Verwaltung lässt sich im Umgang mit „Leichter Sprache“ schulen

Fachbegriffe, Fremdwörter und lange Sätze: Die Ausdrucksweise von Behörden kann mitunter ganz schön unverständlich und kompliziert sein. Und wenn sich schon Normalbürger mit dem Verstehen behördlicher Texte schwer tun, wie muss es da erst Menschen ergehen, die Lernschwierigkeiten haben oder die nicht in Deutschland geboren sind und die deutsche Sprache noch nicht so gut sprechen und lesen können?

Wie sich amtliche Schreiben auch anders, nämlich in leicht verständlicher Sprache formulieren lassen, das erlernten jetzt in einem Inhouse-Seminar einige Mitarbeiter/innen der Gemeindeverwaltung. Und mussten dabei feststellen: Das ist gar nicht so einfach wie es klingt. Liegt doch die besondere Herausforderung bei der Anwendung von „Leichter Sprache“ in dessen besonderen Regeln: Kurze Sätze, kurze Wörter und nur eine Information pro Satz. Fremdwörter sind dabei in den Texten zu vermeiden und auch Abkürzungen sind tabu.

Die beiden Referentinnen, Gisela Holtz und Antje Brandt vom Büro Holtz & Faust aus Münster, hatten jedoch so manchen Tipp parat, wie das Formulieren amtlicher Schreiben in „Leichter Sprache“ einfach gelingen kann. Unterstützt wurden sie dabei von Monika Krieger, die im Alltag auf Texte in einer verständlichen Sprache angewiesen ist. Besonders ihr Feedback zu den Schreiben der Verwaltung und zu unverständlichen Formulierungen war für die Seminarteilnehmer sehr aufschlussreich.

Das Seminar ist für die Verwaltung ein weiterer Schritt in Richtung „Inklusive Gemeinde“ und soll ihre Mitarbeiter/innen für die Belange von Menschen mit Behinderungen und anderer Personengruppen, deren Teilhabemöglichkeiten eingeschränkt sind, sensibilisieren und qualifizieren. Weitere Veranstaltungen und Schulungen zu dieser Thematik sind in den nächsten Monaten geplant.

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Leichte Sprache

Die Idee zur Entwicklung der Leichten Sprache entstand in den 70er Jahren in den USA. Dort haben sich Menschen mit Lernschwierigkeiten zusammengetan, da diese Texte mit schwerer Sprache nicht verstehen konnten und dadurch ausgegrenzt wurden. Um Ihr Leben selbst mehr bestimmen und ihre eigenen Rechte besser vertreten zu können, gründeten diese die Interessensgruppe „People First“.

In den 90er Jahren wurde diese Idee auch in Deutschland aufgegriffen. Im Jahr 2001 gründete sich daraufhin der Verein „Mensch zuerst – Netzwerk People First Deutschland“.

Nach der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtkonvention hat sich auch die Bundesregierung dazu verpflichtet, allen Menschen, egal ob diese körperliche oder geistige Einschränkungen besitzen oder nicht, Zugang zu verständlichen Informationen zu ermöglichen. Für die Barrierefreiheit von Informationen für Menschen mit kognitiven Behinderungen ist die Leichte Sprache ein gutes Hilfsmittel.

Leichte Sprache dient zum einfacheren und besseren Verständnis von Schreiben und Texten. Insbesondere Personen mit Lernschwierigkeiten, gesundheitlich Beeinträchtigte oder Personen, die die deutsche Sprache noch wenig bis schlecht beherrschen, sind auf einfache und gut verständliche Texte angewiesen, um den Inhalt zu verstehen und auf diesen reagieren zu können.

Leichte Sprache zeichnet sich insbesondere durch die Verwendung von kurzen, einfachen Wörtern in kurzen Sätzen mit einem einfach strukturierten Satzbau (Substantiv-Prädikat-Objekt) aus. Fachbegriffe und Fremdwörter werden bewusst vermieden; lange Wörter werden zur besseren Lesbarkeit mit einem Bindestrich getrennt. Auch der Konjunktiv und der Genitiv sollten vermieden werden. Jeder Satz hat in der Regel nur eine Aussage.